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Der zweitgefährlichste Mann Deutschlands?

KI-Satire: Markus Lanz, Boris Pistorius und Saskia Esken blicken auf einen Laptop; das erfundene Magazin DER FLEGEL nennt Ben absichtlich ungeskripptet
Bild: KI-Satire.
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Saskia Esken rief Unternehmen zum Werbeboykott gegen Ben Berndt auf. Die Medienaufsicht verlangte die nachträgliche Bearbeitung seines Höcke-Gesprächs. Der SPIEGEL erklärte Ulrich Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Ben Berndt ließ den angeblich Gefährlichsten fast vier Stunden reden — und könnte dafür in unserem Ben-Stempelautomaten selbst zum „zweitgefährlichsten Mann Deutschlands“ gestempelt werden. Stand 16. August 2026, 11 Uhr: Das Interview erreicht allein auf YouTube rund 1,85 Millionen Aufrufe. Der sichtbare Kommentarstrom ist überwiegend begeistert.

Berndts Kanal hat 1,14 Millionen Abonnenten; das Gespräch lag damit bereits rund 62 Prozent über der Abonnentenzahl. Hinzu kommen Abrufe über Spotify, Apple Podcasts und weitere Podcast-Apps. Deren Episodenzahlen sind öffentlich nicht sichtbar.

Die Kommentare lesen sich wie Wahlwerbung: „Super sympathisch und nahbar.“ „Endlich wird ausgesprochen, was viele denken.“ „Mehr Reichweite als alle Zwangsfinanzierten zusammen.“

Dabei sollte Ben Berndt längst kleiner sein.

Am 6. Mai sagte die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken nach seinem Gespräch mit Björn Höcke: „Blacklisting hilft.“ Unternehmen sollten verhindern, dass ihre Werbung in Berndts Podcast erscheint. Wirtschaftlicher Druck war ausdrücklich das Mittel.

Danach verlangte die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Berndt solle das Höcke-Video nachträglich bearbeiten. Behördenchef Tobias Schmid erklärte, Videos mit geringerer Reichweite lasse man eher „durchlaufen“. Menschen mit großer Reichweite könnten lernen, „dass Meinungsfreiheit Grenzen hat“.

Am 14. August setzte der SPIEGEL Siegmund als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ auf den Titel. Einen Tag später erschien das Interview.

Wer Ben Berndt wirtschaftlich treffen wollte, machte ihn bekannter. Wer Siegmund mit dem größtmöglichen Gefahrenetikett versah, machte Millionen neugierig. Die Warnung wurde zum Trailer.

Der ÖRR verliert die Deutungshoheit

Siegmund war am 2. Juli bei Markus Lanz. Dort saß er nicht in einem langen Einzelgespräch, sondern Lanz, Autorin Ursula Weidenfeld und FAZ-Journalist Justus Bender gegenüber. Lanz stellte dieselbe Frage nach den Ministerien sechsmal.

Als Siegmund wissen wollte, woher eine Grafik zum Arbeitsweg seines Vaters stammte, wandte sich Lanz an Bender und fragte, woher „wir“ das hätten. Der ZDF-Gast lieferte die Angriffsfläche, der FAZ-Mann die Quelle, der Moderator die Fragen.

Bei Berndt sitzt Siegmund keinem Drei-gegen-einen gegenüber. Fast vier Stunden lang spricht er über Sicherheitslage, das verweigerte TV-Duell mit CDU-Chef Sven Schulze, seinen Lanz-Auftritt, Potsdam, Remigration, Verfassungsschutz, Vetternwirtschaftsvorwürfe, Brandmauer und Wahlausblick.

Millionen wollen ihn ausführlich hören. Das ZDF liefert Konfrontation, der SPIEGEL das Gefahrenetikett. Berndt liefert die Person und vier Stunden Zeit. Das Publikum wandert dorthin, wo es selbst urteilen kann.

Die nächste Reaktion ist absehbar. Ben Berndt wird zum „rechten Podcaster“, „Plattformgeber“ oder „Normalisierer“. Das Gespräch wird als „unkritisch“ gelten, sein Erfolg als Folge von Algorithmen und Radikalisierung. Unser neuer Stempelautomat dürfte schnell Treffer melden.

Auch die Politik baut vor. Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann will über eine Senkung der Fünfprozenthürde auf drei Prozent diskutieren. Damit könnten Grüne, FDP und BSW in den Landtag einziehen und eine absolute AfD-Mehrheit erschweren.

Verteidigungsminister Boris Pistorius will einer möglichen AfD-Regierung geheime Bundeswehrinformationen vorenthalten. Der frühere brandenburgische Verfassungsschutzchef Jörg Müller skizzierte öffentlich, wie Informationskanäle gekappt und Daten an den Bund gegeben werden könnten.

Das Europäische Parlament stieß mit 414 zu 224 Stimmen eine Überprüfung der von der AfD mitgegründeten Parteienfamilie ESN an. Parteienstatus und Fördermittel stehen auf dem Spiel. GdP-Funktionär Sven Hüber erklärte AfD-Sympathien für unvereinbar mit dem Polizeiberuf, bis ihm der größte Landesbezirk seiner Gewerkschaft widersprach.

Drei Prozent. Geheimakten. EU-Geld. Berufliche Eignung nach Wahlentscheidung.

Keine dieser Maßnahmen erklärt, warum die AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 bis 43 Prozent liegt. Jede liefert ihr neues Wahlkampfmaterial. Die Botschaft schreibt sich von selbst: Gewählt werden darf, solange das Ergebnis keine Folgen hat.

In Österreich steht die FPÖ in einer Sonntagsfrage bei 38 Prozent. Auch dort haben Warnungen und Ausgrenzung die Partei nicht kleiner gemacht.

Der SPIEGEL warnt. Der politische Betrieb baut vor. Ben Berndt lässt Siegmund reden.

Stand 11 Uhr: rund 1,85 Millionen YouTube-Aufrufe — plus die öffentlich nicht bezifferbare Podcast-Reichweite. Es werden noch viele dazukommen.

Am Ende wählt das Volk: wem es zuhört, wem es seine Stimme gibt und wen es in der Regierung sehen will.

Maßnahmen zum Machterhalt können Zeit kaufen. Den Lauf der Geschichte stoppen sie nicht.

Die Brandmauer soll trennen. Inzwischen macht sie Wahlwerbung.

Mehr dazu: Schmierblatt mit Gütesiegel und Meinungsfreiheit mit Grenzen.

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