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Abgesprochen, nicht moderiert

Ein Moderator führt seinen Gast vor. Die Munition dafür hatte er sich vorher mit einem anderen Gast besorgt.

Es ist der 2. Juli 2026, nach 23 Uhr im ZDF. Zu Gast bei Markus Lanz ist Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Lanz zeigt eine Grafik zum Arbeitsweg von Siegmunds Vater. Als Siegmund fragt, woher die Grafik stamme, wendet Lanz sich an den mit am Tisch sitzenden FAZ-Journalisten Justus Bender und fragt, woher „wir“ das denn hätten. Das „wir“ ist der Moment, in dem die Rolle kippt: nicht Moderator gegen Gast, sondern zwei, die sich vorher abgestimmt haben, gegen einen Dritten. Was folgt, wird zum „Quellenschutz“ erklärt.

Selbst die Berliner Zeitung, unverdächtig einer Nähe zur AfD, titelte danach, das ZDF-Format stoße „an seine Grenzen“. Es ist die entscheidende Grenze: Ein öffentlich-rechtlicher Talk, der einen Wahlkämpfer nicht befragt, sondern mit vorbereitetem Material eines Zeitungsgastes stellt, ist kein Interview. Er ist eine gemeinsame Sache.

Ein Moderator darf hart fragen, sechsmal dasselbe, so oft er will. Aber ein „wir“ zu viel, und aus der Befragung wird eine Abstimmung.

Mehr dazu: Haltung auf Gebührenkosten und Zweierlei Maß.

Aus der Redaktion Der Fehler war nicht die Grafik. Der Fehler war das ehrliche Wörtchen dazwischen.
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