Verboten. Außer für ihn.
Am 21. Februar beschloss die CDU in Stuttgart, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleiben soll. Antrag O06, eingebracht von der Frauen Union, angenommen. Im Wortlaut: Leihmutterschaft bleibe „uneingeschränkt verboten, unabhängig von der Motivation“, um „Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern“.
In der Begründung steht ein Satz, der fünf Monate später eine eigene Karriere macht: „Lifestyle-Tendenzen wie in den USA sollte es in Deutschland nicht geben. Dort ist Leihmutterschaft ein Geschäftsmodell.“
Diese Woche wurde Jens Spahn Vater. Der Sohn kam in den USA zur Welt, ausgetragen von einer Leihmutter. Spahn ist Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag.
2015 schrieb er im Magazin GQ: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Zu akzeptieren, dass er nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlange „ein großes Maß an Demut“. Ob er das aufbringen könne, wisse er nicht.
Die Antwort liegt seit dieser Woche vor.
EMMA titelt „Spahn kauft Kind“. Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, wertet Leihmutterschaft als Ausbeutung. Das Europäische Parlament hat sie als sexuelle Ausbeutung ärmerer Frauen verurteilt, nachzulesen in der Begründung des CDU-Antrags selbst.
Bei der Bild sind die beiden „Papas geworden“, eine „Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung“. Das Wort, um das seine Partei im Februar gerungen hat, kommt darin nicht vor.
Im Februar beschließt die Partei, was die Bürger nicht dürfen. Im Juli fliegt ihr Fraktionschef dorthin, wo es erlaubt ist.
Mehr dazu: Der Mann, der nicht geprüft wird. Aktueller Stand: Er schwieg, sie war schon schwanger.