Nachrichten ohne ÖRR-Filter
Die Nachrichten, bevor sie durch den Filter gehen.
Deutschland

Verboten. Außer für ihn.

Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke stehen eng nebeneinander bei einer Open-Air-Veranstaltung und laecheln in die Kamera, im Hintergrund ein gefuelltes Zuschauerrund

Am 21. Februar beschloss die CDU in Stuttgart, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleiben soll. Antrag O06, eingebracht von der Frauen Union, angenommen. Im Wortlaut: Leihmutterschaft bleibe „uneingeschränkt verboten, unabhängig von der Motivation“, um „Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern“.

In der Begründung steht ein Satz, der fünf Monate später eine eigene Karriere macht: „Lifestyle-Tendenzen wie in den USA sollte es in Deutschland nicht geben. Dort ist Leihmutterschaft ein Geschäftsmodell.“

Diese Woche wurde Jens Spahn Vater. Der Sohn kam in den USA zur Welt, ausgetragen von einer Leihmutter. Spahn ist Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag.

2015 schrieb er im Magazin GQ: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Zu akzeptieren, dass er nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlange „ein großes Maß an Demut“. Ob er das aufbringen könne, wisse er nicht.

Die Antwort liegt seit dieser Woche vor.

EMMA titelt „Spahn kauft Kind“. Die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, Reem Alsalem, wertet Leihmutterschaft als Ausbeutung. Das Europäische Parlament hat sie als sexuelle Ausbeutung ärmerer Frauen verurteilt, nachzulesen in der Begründung des CDU-Antrags selbst.

Bei der Bild sind die beiden „Papas geworden“, eine „Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung“. Das Wort, um das seine Partei im Februar gerungen hat, kommt darin nicht vor.

Im Februar beschließt die Partei, was die Bürger nicht dürfen. Im Juli fliegt ihr Fraktionschef dorthin, wo es erlaubt ist.

Mehr dazu: Der Mann, der nicht geprüft wird. Aktueller Stand: Er schwieg, sie war schon schwanger.

Aus der Redaktion Die CDU hat im Februar nicht diskutiert, ob Leihmutterschaft schädlich ist. Sie hat es beschlossen: Ausbeutung, Missbrauch, gesundheitliche Risiken. Fünf Monate später gilt das alles noch, es findet nur woanders statt. Ein Verbot, das an der Landesgrenze endet, ist kein Verbot, sondern eine Preisfrage. Wer es sich leisten kann, fliegt. Wer nicht, hält sich daran. Das ist keine Lücke im Gesetz, das ist die Lücke zwischen denen, die die Regeln machen, und denen, für die sie gemacht werden. Wessen Interessen vertritt eine Partei, deren Beschlüsse nur für Leute ohne Flugticket gelten?
← Zurück zur Startseite