Er schwieg, sie war schon schwanger
Update, 19. Juli: Spahn ist als Fraktionsvorsitzender zurückgetreten. Die Kohle fließt weiter.
Als die CDU im Februar in Stuttgart beschloss, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleiben soll, trug in den USA bereits eine Leihmutter das Kind ihres Fraktionsvorsitzenden aus. Das hat Jens Spahn diese Woche selbst bestätigt.
Geschwiegen habe er damals, sagt er heute, er sei „noch nicht so weit“ gewesen, die Debatte zu führen. Im Nachhinein ärgere ihn das. In einem Podcast des Bild-Journalisten Paul Ronzheimer verteidigte er die Entscheidung: „Ich bin lange zerrissen gewesen.“ Er kenne es „als Christ“, dass „das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben“.
Der Druck kommt aus der eigenen Partei. Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters, auch im Bundesvorstand, wirft ihm vor, sich „in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“ zu haben. Familien-Staatssekretär Michael Brand nennt den Vorgang „eine echte Zumutung und unglaubwürdig“.
Ein Rechtsbruch ist es nicht. Strafbar sind die Vermittlung und die ärztliche Mitwirkung, nicht das Heimholen eines im Ausland geborenen Kindes. Genau das ist der Punkt: Spahn hat kein Gesetz gebrochen. Er hat sich von einem Verbot ausgenommen, das seine Partei für alle anderen aufrechterhält.
Über seine Zukunft soll die Fraktion entscheiden, bei ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause am 8. September. Zuvor tagt am Montag das Präsidium. Spahn nimmt teil, obwohl er dem Gremium seit dem Februar-Parteitag nicht mehr angehört.
Mehr dazu: Verboten. Außer für ihn.