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Deutschland

Nur manche sind gleicher

Jens Spahn und sein Ehemann stehen laechelnd mit einem Kinderwagen auf der Freitreppe einer herrschaftlichen Villa, im Vordergrund stapeln sich Kartons mit der Aufschrift FFP2 Masken

Jens Spahn, 45, aus dem Münsterland, gelernter Bankkaufmann, saß mit 22 im Bundestag. Von 2018 bis 2021 war er Gesundheitsminister, danach vierzehn Monate Fraktionschef der Union. Am Wochenende trat er zurück. Was bleibt, ist eine Bilanz, und die reicht weit zurück.

Schon 2006 gründete er mit zwei Partnern die Beratungsfirma Politas, deren Kunden vor allem aus der Pharma- und Medizinbranche kamen, während Spahn im Gesundheitsausschuss des Bundestags saß. Sein Anteil: exakt 25 Prozent, knapp unter der Schwelle, ab der er ihn hätte offenlegen müssen. Öffentlich wurde es erst Jahre später.

2020 lud er ein Dutzend Unternehmer zu einem privaten Spendendinner nach Leipzig. Mehrere überwiesen danach je 9.999 Euro an seinen CDU-Kreisverband, einen Euro unter der Grenze, ab der Spenden gemeldet werden müssen.

Als Minister kaufte er in der Pandemie 5,8 Milliarden Masken für rund 5,9 Milliarden Euro. Über vier Milliarden wurden nie gebraucht. Der Bundesrechnungshof macht ihn für 517 Millionen Euro Schaden verantwortlich, allein für Lagerung und Vernichtung. Die Sonderermittlerin Margaretha Sudhof stellte fest, er habe die Beschaffung an sich gezogen, gegen den Rat seiner eigenen Fachleute. Ein Strafverfahren gab es nie.

Im selben Jahr kaufte er, mitten in der Amtszeit, mit seinem Mann eine Villa in Berlin-Dahlem für 4,125 Millionen Euro, finanziert vor allem von der Sparkasse Westmünsterland, in deren Verwaltungsrat er bis 2015 gesessen hatte. Als ein Magazin berichtete, klagte er und ließ erfragen, welche Journalisten zu seinen Immobilien recherchierten. Er verlor.

2021 sprach er von der „Pandemie der Ungeimpften". Sein eigenes RKI hielt den Satz zwei Tage später intern für fachlich nicht korrekt. Das Protokoll blieb bis 2024 geschwärzt.

Über all das stürzte er nie. Gestürzt ist er über das Kind aus den USA, per Leihmutter, gegen das Verbot, für das er als Minister zuständig war. Und ausgerechnet hier half Friedrich Merz nach. In der Masken-Affäre verteidigt derselbe Merz ihn bis heute und kritisierte den Untersuchungsbericht; einen Untersuchungsausschuss lehnt die Union ab. Über eine private Entscheidung fiel Spahn in Tagen. Über 517 Millionen Euro fällt er nicht.

Mehr dazu: Der Mann, der nicht geprüft wird. · Die Kohle fließt weiter.

Aus der Redaktion Keine dieser Sachen hat ihn je etwas gekostet. Kein Strafverfahren, kein verlorenes Mandat, kein Cent weniger. Zurückgetreten ist er vom Fraktionsvorsitz, nicht aus dem Bundestag. Die rund 11.800 Euro im Monat zahlt weiter, wer auch die Masken bezahlt hat: wir. Und der Kanzler, der die Leihmutterschaft für unvereinbar mit dem Amt hielt, hält die Masken für erledigt.
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