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Durchschaut

Der Witze-Fritze

Satirische Fotomontage: Friedrich Merz sitzt traurig und verschmutzt in einem grossen Muellcontainer in einer Gasse und haelt ein zerfleddertes Buch mit dem Titel schlechte Witze

Am Tag nach dem Anschlag steht der Kanzler in der Marienkirche am Alexanderplatz und hält eine Trauerrede. Eine Frau ist tot, 29 Menschen sind verletzt, der Täter ein polizeibekannter Islamist. Friedrich Merz sagt: „Nicht erst ein solcher Anschlag wie gestern Abend gefährdet unsere Freiheit. Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung, dumme Redensarten, schlechte Witze sind bereits Teil einer solchen Gewalt."

Man liest den Satz zweimal. Ein Islamist fährt mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge, und der Kanzler spricht über Witze.

Noch bemerkenswerter ist, worüber er nicht spricht. Die Rede steht im Wortlaut auf der Seite der Bundesregierung, man kann es nachzählen: Das Wort Islamismus kommt nicht vor. Nicht einmal. Kein „islamistisch", kein Motiv, kein Täter mit Eigenschaften. Es gibt nur „Gegner unserer Gesellschaft", die „Hass und Zwietracht säen". Wer das sein soll, bleibt offen. Die einzigen konkret benannten Wegbereiter der Gewalt sind Redensarten und Witze.

Sein eigener Innenminister nannte die Tat am selben Tag einen islamistischen Terroranschlag. Das ZDF titelte es, die Fahndung lief unter Terrorverdacht, die Bundesanwaltschaft übernahm. Nur in der Rede des Kanzlers, am Ort des Gedenkens, vor der betroffenen Community, fand die Ideologie des Täters nicht statt.

Das ist die Arbeitsteilung dieser Tage: Die Behörden benennen, was war. Der Kanzler redet heiße Luft. Gegen schlechte Witze kann man sein, ohne eine einzige Entscheidung zu treffen. Gegen islamistischen Terror zu sein hieße erklären, warum ein verurteilter IS-Anhänger zwei Monate vor der Tat auf Bewährung freikam.

Die Toten des Islamismus bekommen eine Rede über Diskriminierung. Die Täter bekommen Anonymität. Und die Zuhörer bekommen den Auftrag, an ihren Witzen zu arbeiten.

Ein Kanzler, der am Tag nach einem islamistischen Anschlag die Ideologie des Täters nicht aussprechen kann, aber die Witze seiner Bürger zur Mitschuld erklärt, hat das Amt verwechselt. Er sollte es räumen, bevor die nächste Trauerrede fällig wird.

Mehr dazu: Der Wahrheitsfritz? Eine Analyse und Tolerant bis zum Anschlag.

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