Nachrichten ohne ÖRR-Filter
Die Nachrichten, bevor sie durch den Filter gehen.
Deutschland

Alle böse zu Fritz

Bundeskanzler Friedrich Merz sitzt im sommerlichen ZDF-Interview am Tisch und spielt eine winzige Geige, ihm gegenueber eine Interviewerin von hinten

Der Kanzler bekommt eine Stunde im ZDF. Danach wirft er dem ZDF vor, nur seine Kritiker zu Wort kommen zu lassen.

Im Sommerinterview am Sonntag wird Friedrich Merz mit den Umfragen konfrontiert: seine CDU bei 21 Prozent, die AfD bei 29. Seine Antwort ist ein Rundumschlag. Schuld sind der zurückgetretene Spahn, die Journalisten, das ZDF, „alles derselbe Sound“ von AfD über Linke bis Grüne. Nur einer kommt in dieser Aufzählung nicht vor: er selbst.

Den Medien und namentlich dem ZDF wirft er vor, nur seine Kritiker zu Wort kommen zu lassen. Gesagt hat er das in einem einstündigen ZDF-Interview, das ihm allein gehörte.

Sein Vorwurf lässt sich prüfen. Nach einer Auszählung der Polittalkshows von ARD und ZDF stellte die Union 2025 mit rund 40 Prozent die mit Abstand meisten Polit-Gäste. Die AfD, mit 24 Prozent der Sitze zweitstärkste Kraft, kam auf rund anderthalb Prozent und wurde seit der Wahl im Februar ganze einmal eingeladen. In der Nachrichtenpräsenz entfielen laut Media Tenor seit Mai rund 47 Prozent auf die Union, bei 28,6 Prozent bei der Wahl. Wer so präsent ist, wird nicht verschwiegen. Er wird nur nicht gelobt.

Und derselbe Sender prüft im Anschluss seine Zahlen. Beim Krankenstand nennt Merz Deutschland als Ausreißer. Die OECD-Statistik ist wählerisch: 2022 Platz eins bei den bezahlten Krankheitstagen je Beschäftigten, 2023 aber nur Platz sieben beim krankheitsbedingten Arbeitsausfall. Seinen Investitionsgipfel verkauft er als Erfolg für den Mittelstand. Von den 61 Unternehmen der Initiative waren fast alle 40 DAX-Konzerne dabei. Der klassische Mittelstand und das Handwerk fehlten.

Wer eine Stunde reden darf und danach über zu wenig Gehör klagt, hat ein anderes Problem als die Medien.

Mehr dazu: Der Wahrheitsfritz? Eine Analyse und Der Kanzler hat richtig gerechnet.

Aus der Redaktion Ein Kanzler, dessen Partei acht Punkte hinter der AfD liegt, sucht die Ursache überall, nur nicht im eigenen Haus. Die Bühne dafür bekam er. Genutzt hat er sie für die Klage, keine zu haben.
← Zurück zur Startseite