Zwei Drittel sind der Erfolg
„Beschäftigung von Migranten steigt stetig“, meldet der ORF. Eine Studie, ein Aufwärtstrend, eine gute Nachricht. Es kommt nur darauf an, welche Zahl oben steht und welche unten.
Oben steht: 68,2 Prozent der Zuwanderer in der EU sind in Arbeit, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. „Nahe an den Einheimischen“, zitiert der ORF einen Ökonomen. Der Trend zeigt nach oben, die Botschaft heißt Entwarnung.
Dieselbe Studie, eine Etage tiefer. In Deutschland sind von den Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern 66,1 Prozent beschäftigt, bei den Einheimischen 79,6. Das ist ein Abstand von fast vierzehn Punkten und heißt im Klartext: Ein Drittel der Nicht-EU-Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter ist nicht in Arbeit. In Österreich dasselbe Bild, 65,4 gegen 76,1.
Und eine Zahl, die es gar nicht erst in die Überschrift schafft. Von den Asylsuchenden, die 2015 und 2016 kamen, hatten nach acht bis neun Jahren 75 Prozent der Männer einen Job. Bei den Frauen sind es 40 Prozent. Nach fast einem Jahrzehnt.
Keine dieser Zahlen ist erfunden, alle stehen in derselben Studie der Rockwool Foundation Berlin, gerechnet auf Basis von Eurostat. Der ORF hat sie nur sortiert: den steigenden Trend nach vorn, den Abstand nach hinten, die 40 Prozent ganz ans Ende. Dieselbe Quelle, zwei mögliche Schlagzeilen. „Beschäftigung steigt stetig“ ist die eine. „Ein Drittel der Zuwanderer ohne Arbeit“ wäre die andere gewesen.
Mehr dazu: Zwei Überschriften, ein Artikel · Rekord, als Mangel gemeldet