Wer bleibt draußen?
In Berlin soll bald niemand mehr vorschreiben, dass es getrennte Toiletten für Frauen und Männer gibt.
Die geplante Änderung der Muster-Versammlungsstättenverordnung streicht für Theater, Stadien, Konzerthäuser und Mehrzweckhallen die Pflicht zu getrennten Damen- und Herrenräumen. Verlangt wird nur noch eine „ausreichende Anzahl von Toiletten“. Aus der Pflicht zur Trennung wird eine Tür, die für Unisex offensteht.
Der Protest kommt nicht von rechts. Es sind Frauenrechtlerinnen, die Alarm schlagen. Die Initiative „Was ist eine Frau?“ warnt vor dem Türöffner, auch EMMA schreibt über den Verlust geschützter Räume. Dieser Raum war kein Luxus, er war Privatsphäre.
Was das für Frauen und Mädchen bedeutet, zeigt sich dort, wo Unisex schon Alltag ist. Eine Datenabfrage der britischen Sunday Times ergab: fast neun von zehn gemeldeten sexuellen Übergriffen und Voyeurismus-Fällen in Umkleiden geschehen in gemischten Anlagen, nicht in getrennten. Die Trennung hielt nie eine Minderheit draußen, sie hielt die Täter draußen. Wer sie streicht, öffnet die Tür, und durch offene Türen geht, wer will.
Der Anlass ist eine Politik der Geschlechtsidentität, die einer kleinen Gruppe zuliebe die Regeln für alle umschreibt. Den Preis zahlen nicht die, die ihn fordern, sondern die Hälfte der Bevölkerung, die bisher einen eigenen Raum hatte.
Fortschritt heißt hier, dass die Frau ihren Schutzraum verliert und man es Gleichberechtigung nennt.
Mehr dazu: Campusverbot für eine Vorlesung.