Geladen, aber wozu?
Am 30. September wird Hape Kerkeling im Thüringer Landtag als Sachverständiger zum Verbot der AfD gehört. Was er sagen wird, steht seit einem Jahr fest.
Am 29. September 2025 bekam er in Rottenburg am Neckar den Eugen-Bolz-Preis. Der ehrt laut Stadt Personen, „die sich in herausragender Weise für Demokratie und Rechtsstaat einsetzen“. Der Preisträger nutzte die Bühne für eine Verbotsforderung: „Ein giftiges Gericht gehört nicht auf die demokratische Speisekarte.“
Die Laudatio hielt Dunja Hayali vom ZDF. Sie lobte Menschen, die für ihre „klare Haltung gegen rechts“ angefeindet würden.
Seither nennt Kerkeling die AfD im Interview „eine Partei der Zukurzgekommenen“. 2026 widmet er dem Rechtsruck zwei Filme.
Für die Anhörung darf jede Fraktion eigene Sachverständige aufstellen, 15 sind es zusammen. Sie sollen „für oder gegen ein AfD-Verbot argumentieren“.
Die AfD hat dafür unter anderem Hans-Georg Maaßen aufgeboten. Der ist Jurist und leitete jahrelang die Behörde, deren Aufgabe es ist, Verfassungsfeindlichkeit festzustellen.
Die Linke hat Kerkeling aufgeboten. Der machte 1984 in Recklinghausen Abitur und ging zum Fernsehen. Studiert hat er nicht. Sein Beruf steht in jeder Biografie: Entertainer, Komiker, Schauspieler, Synchronsprecher, Parodist.
Verhandelt wird das Grundrecht von Millionen Wählern auf die Partei ihrer Wahl. Auf der einen Seite der frühere Chef des Verfassungsschutzes. Auf der anderen der Erfinder von Horst Schlämmer. Beim nächsten Mal dann Mickey Mouse.
Die Linke hat keinen Sachverständigen gesucht. Sie hat ein Gesicht gesucht, das man aus dem Fernsehen kennt und das vorher schon Ja gesagt hat. Wer Verfassungsfeindlichkeit prüfen will, lädt Verfassungsrechtler. Wer ein Publikum sucht, lädt einen, der eines mitbringt. Auf ein Podium, das über Grundrechte befindet, gehört ein Entertainer nicht, und eine Fraktion, die ihn dorthin setzt, hat ihr eigenes Anliegen erledigt, bevor der erste Satz gesprochen ist.
Ein Detail steht dabei in keiner Meldung: Ein Parteiverbot beantragen können nur Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung. Ein Landtag kann es nicht. Diese Anhörung kann also gar nichts auslösen.
Parallel läuft die Petition, die denselben Mann zum Bundespräsidenten machen will. 137.000 Unterschriften, auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact. Nach dem Bundestagsregister gingen von Campact 2024 insgesamt 461.338 Euro an Grüne, Linke und SPD. Adressiert ist die Petition an Union, SPD, Grüne und Linke.
Sachverständig ist er nicht. Bekannt schon.
Mehr dazu: Haltung auf Gebührenkosten und Campact im Glashaus.