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Die Bühne, die alle bezahlen

Ein Lichterfest, ein Sommerabend, ein Popkonzert. Und dann eine halbe Minute lang eine Parole gegen eine Partei, die ein Viertel des Landes wählt.

Am Samstag trat beim Stadtwerke Lichterfestival in Stuttgart das Duo LISÆ auf. Die Bühne betrieb DASDING, die Jugendwelle des Südwestrundfunks. Auf Videos des Auftritts ist zu hören, wie die beiden Musikerinnen über dreißig Sekunden lang „Ganz Stuttgart hasst die AfD“ skandieren. Teile des Publikums stimmen ein.

Der Auftritt ist Kunst. Die Bühne ist es nicht.

DASDING ist Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der ist zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet, und zwar nicht nur im Nachrichtenstudio. Die Verpflichtung hängt nicht daran, ob gerade eine Kamera läuft. Sie hängt daran, wer die Bühne bezahlt.

Bezahlt hat sie jeder Haushalt in Baden-Württemberg, 18,36 Euro im Monat, auch die Haushalte, die im September die Partei wählen werden, gegen die von dieser Bühne skandiert wurde.

Uwe von Wangenheim, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, hat den Sender inzwischen schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Er wolle wissen, wie der SWR sicherstelle, dass seine Angebote im Jugendbereich keine Plattform für politische Feindbilder werden.

Das Festival zieht nach Angaben der Veranstalter rund 30.000 Besucher an. Es versteht sich, so die eigene Ankündigung, als generationsübergreifendes Kulturereignis und als Ort der Begegnung. Für jeden Musikgeschmack sei etwas dabei.

Für jede politische Meinung offenbar nicht.

Mehr dazu: Haltung auf Gebührenkosten und Das bevorstehende Aus des ÖRR?

Aus der Redaktion Zwei Musikerinnen dürfen sagen, was sie wollen. Das ist die Kunstfreiheit, und sie ist nicht verhandelbar. Verhandelbar ist die Frage, wer ihnen dafür das Mikrofon hinstellt. Ein Sender, der von allen bezahlt wird, darf keine Bühne bauen, von der aus gegen einen Teil derer skandiert wird, die ihn bezahlen. Man stelle sich denselben Abend vor, dieselbe Bühne, dieselbe Jugendwelle, und die Parole hätte einer anderen Partei gegolten. Die Frage ist nicht, ob es dann Konsequenzen gäbe. Die Frage ist, wie schnell.
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