Zehn Milliarden gegen eine Billion
Ursula von der Leyen will Europa zum ersten KI-Kontinent machen.
Ihr Beweis: Bis zu zehn Milliarden Euro öffentliche Mittel für europäische KI-Gigafactories. Dazu sollen mindestens 20 Milliarden privates Geld kommen.
Das verkauft die Kommissionspräsidentin als technologischen Aufbruch.
Am selben Tag steht die tatsächliche Größenordnung in den Bilanzen der Konkurrenz: Google, Amazon, Microsoft und Meta haben seit Beginn des KI-Booms 2023 zusammen 1,1 Billionen Dollar in Kapitalinvestitionen gesteckt. Allein für dieses Jahr planen die vier Konzerne 745 Milliarden Dollar — vor allem für Rechenzentren, Chips und Energie.
Zehn Milliarden gegen eine Billion.
Von der Leyen verspricht einen Kontinent der KI. Stanford zählt für 2024 in ganz Europa drei bedeutende KI-Modelle. Die USA brachten vierzig hervor.
Europa liegt nicht knapp zurück. Europa spielt in einer anderen Liga. Und zwar nicht oben.
Während amerikanische Konzerne Rechenleistung kaufen, Kraftwerke sichern und ganze Datencenter-Landschaften hochziehen, baut Brüssel die Begleitindustrie dazu: Dokumentationspflichten, Urheberrechtsvorgaben, Risikoklassen, Behörden und Kennzeichnungen.
Am 2. August greifen weitere Regeln des AI Act. KI-Inhalte sollen markiert werden. Anbieter müssen neue Transparenzpflichten erfüllen. Das KI-Label ist nicht der Beweis für Wahrheit. Es ist das Symbol einer Politik, die Kontrolle mit Kompetenz verwechselt.
Die Kommissionspräsidentin verkauft einen Fördertopf als Antwort auf eine Billion Dollar echter Infrastruktur. Das ist kein Plan für die Weltspitze. Es zeigt, dass jene, die Europas KI-Politik schreiben, den Maßstab des Wettrennens nicht verstanden haben.
Europa wird nicht zum KI-Kontinent, weil es seine Rückstände sauber etikettiert.
Es wird zum Kontinent der Regeln für Technologien, die andere bauen.
Mehr dazu: Totalüberwachung, frei Haus.