Das Veto aus dem Golf
Der Gebührenfunk fragt, ob das Werk noch zu retten ist, und sucht die Antwort überall, nur nicht dort, wo der Hebel sitzt. „Ist ein Kahlschlag bei VW noch zu verhindern?“, titelt der Staatsfunk, während die Aufsichtsratssitzung ohne Klarheit über die Sparpläne endet. Der Konzern schweigt, das Werkssterben erscheint als betriebswirtschaftliches Schicksal.
Die Größenordnung ist bekannt: Nach Berichten plant Volkswagen den Abbau von bis zu 120.000 Stellen, mehrere deutsche Werke wackeln. Weniger bekannt ist, wer in Wolfsburg mitentscheidet. Der Staatsfonds von Katar, die Qatar Investment Authority, hält laut den Berichten rund 17 Prozent der Stimmrechte, ist drittgrößter Aktionär und mit drei Sitzen im Aufsichtsrat vertreten.
Genau dort setzt ein Bericht der Bild-Zeitung an, den der ÖRR nicht aufgreift: Die katarischen Vertreter sollen ihr Veto gegen ein Abkommen eingelegt haben, das dem angeschlagenen Werk Osnabrück eine neue Nutzung sichern sollte, die Fertigung von Komponenten für einen israelischen Staatskonzern. Als Grund nennt der Bericht das Verhältnis des Golfstaats zu Israel. Fair bleibt festzuhalten: Auslandsbeteiligungen sind legitim, die Investoren sind seit über einem Jahrzehnt an Bord, und ein Veto im Aufsichtsrat ist rechtlich ihr gutes Recht. Es geht nicht um Legalität.
Es geht um die Frage, wer über deutsche Standorte bestimmt, und die ist eine andere als „spart der Konzern genug“. Läge dasselbe Veto bei einem deutschen Bundesland oder einem westlichen Investor, stünde der Name in der Schlagzeile, nicht in einem Bericht, den der Gebührenfunk übergeht. Wer nur fragt, ob der Kahlschlag zu verhindern ist, verschweigt, wer die Hand am Hebel hat.