„Tausende gegen Vučić“: Welche Proteste beim Sender Sympathie bekommen
In der zentralserbischen Stadt Kraljevo demonstrierten mehrere Tausend Studierende und Bürger gegen Präsident Aleksandar Vučić — unter der Parole „Die Studenten siegen!“. Anlass ist innenpolitisch und ernst: Seit dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024 mit 16 Toten erschüttert eine Protestwelle das Land; die Tragödie wird auf Korruption und Inkompetenz der Regierenden zurückgeführt. Das ist ein legitimer Protest, und der Sender berichtet ihn mit sichtbarer Anteilnahme.
Einen Tag zuvor hatte Vučić bei einer Kundgebung seiner Anhänger einen „taktischen Rücktritt“ angekündigt. Seine zweite Amtszeit endet regulär Ende Mai 2027, ein drittes Mal kann er nicht antreten; erwartet wird, dass er vorgezogene Parlamentswahlen ausschreibt, um als Spitzenkandidat seiner Partei SNS Ministerpräsident zu werden. So weit die nüchterne Lage.
Interessant ist weniger der Vorgang als die Wärme des Tons. „Tausende demonstrieren gegen X“ ist beim Sender keine neutrale Formel — sie wird vergeben. Es gibt Regierungen, deren Gegner zuverlässig als „Zivilgesellschaft“, „mutige Studenten“ und „demokratischer Aufbruch“ erscheinen, und es gibt andere, deren Demonstranten schneller zu „Krawall“, „Stimmungsmache“ oder „Rechtsruck“ werden. Vučić gehört verlässlich zur ersten Gruppe.
Warum, lässt sich am Profil ablesen: Belgrad reiht sich nicht in die EU-Russland-Sanktionen ein, pflegt enge Drähte nach Moskau und Peking und tanzt auch sonst aus der Brüsseler Reihe — ein Staatschef, der sich der EU-Linie nicht bedingungslos fügt, auch nicht in der Migrationsfrage. Ein Mann mit diesem Profil bekommt, wenn auf seinen Straßen demonstriert wird, vom Sender keine skeptische Distanz, sondern die Erfolgsvokabel.
Quelle: orf.at/stories/3434674 (Tausende demonstrieren gegen Vucic, ÖRR.at/Agenturen, 28. 6. 2026) · Angaben zu Kraljevo, Novi Sad und zur Rücktrittsankündigung laut derselben Meldung · die Einordnung zu Vučićs außen- und europapolitischem Kurs ist Wertung der Redaktion
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