Uninformiert, ungeprüft, aber laut
Am Dienstag lief im ZDF „Am Puls mit Dunja Hayali", eine Doku über die marode Bahn. Noch am Sendetag meldete sich die Deutsche Bahn, und zwar nicht mit Dank für die Kritik. Der Film beruhe „in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen" und enthalte „methodische Fehler". So entstehe „keine sachliche Aufbereitung, sondern ein Zerrbild für die Zuschauenden."
Man könnte das als Retourkutsche eines getroffenen Konzerns abtun, wäre da nicht der Sender selbst. Das ZDF korrigierte nachträglich zwei Grafiken. Die Behauptung, die Bahn betreibe kein einziges digitales Stellwerk, wurde von null auf drei berichtigt. Und der Pünktlichkeitsvergleich mit Belgien, den die Bahn „in hohem Maße unseriös" nannte, wurde still von „Fernverkehr" auf „Personenverkehr" geändert.
Wir haben Dunja Hayali hier schon einmal beschrieben, als Beispiel dafür, wie beim Gebührenfunk aus Haltung Nachricht wird. Diesmal geht es nicht um eine Wertung im Interview. Es geht um Zahlen, die nicht stimmten. Über Haltung kann man streiten. Über ein korrigiertes Stellwerk nicht.
Und es ist nicht der erste Treffer für die Reihe. Schon im Mai stand „Am Puls" in der Kritik, wegen einer Folge zum Bürgergeld. Die Beschwerde beim Fernsehrat kam damals nicht von der AfD, sondern vom linken Verein Sanktionsfrei, wegen einseitiger Darstellung. Zweimal in zwei Monaten dasselbe Format, derselbe Vorwurf, einmal von links, einmal von einem Staatskonzern.
Das ZDF verteidigt den Film als „journalistisch sorgfältig recherchiert". Zwei seiner eigenen Zahlen hat es trotzdem stillschweigend kassiert. Haltung kann man haben. Sie ersetzt die Recherche nicht.
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