Nachrichten ohne ÖRR-Filter
Die Nachrichten, bevor sie durch den Filter gehen.
Ausland

Texas macht die Bibel zur Pflichtlektüre — und der Sender reicht das Stirnrunzeln mit

Im US-Bundesstaat Texas wird die Bibel künftig Pflichtlektüre an Schulen; die zuständige Behörde beschloss am Freitag eine entsprechende Leseliste. Die Begründung der Bildungsbeamten: Die Bibel sei „ein unverzichtbares literarisches Werk“ für das Verständnis der amerikanischen Gründungsgeschichte und Kultur. Der Sender meldet das — und liefert den Einwand gleich mit.

Der Einwand ist berechtigt: Die Trennung von Staat und Kirche ist ein ernstes Thema, und eine vorgeschriebene Heilige Schrift im öffentlichen Schulunterricht wirft echte Fragen auf. Zu Wort kommt Rachel Laser von „Americans United for Separation of Church and State“, der Staat solle „niemals allen Menschen eine bestimmte Religion aufzwingen“. Ihre Organisation klagt bereits gegen ein Gesetz zu den Zehn Geboten im Klassenzimmer.

Auffällig ist nicht, dass die Kritik vorkommt — sie gehört hinein. Auffällig ist, wie verlässlich bei manchen Themen die kritische Stimme den letzten, prägenden Absatz bekommt, während die Befürworter mit einem Behördensatz abgespeist werden. Es ist dieselbe Sortierung wie bei religiösen Vorschriften aus anderer Richtung — nur dass die Reihenfolge dann gern kippt.

Aus der Redaktion Ein Test fürs eigene Ohr: Man halte diesen Beitrag neben einen über religiöse Kleider- oder Lehrvorschriften aus dem muslimischen Raum. Bekommt dort die säkulare Kritikerin denselben prominenten Schlussabsatz? Oder steht dort plötzlich die „kulturelle Vielfalt“ am Ende? Die texanische Bibelpflicht darf man kritisch finden — wir finden sie das auch. Der Punkt ist nicht das Urteil, sondern die Gleichbehandlung: Wer den letzten Absatz bekommt, entscheidet, mit welchem Gefühl man die Meldung verlässt.

Quelle: religion.orf.at/stories/3236195 (USA: Bibel wird in Texas zur Pflichtlektüre für Schüler, religion.ÖRR.at, 29. 6. 2026) · Zitate laut derselben Meldung (mit Verweis auf die „New York Times“)

← Zurück zur Startseite