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Klima

5.100 Hitzetote, berechnet

Eine Schätzung wird zur Strichliste, sobald sie rund genug ist für eine Schlagzeile. Nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts sind bis Ende Juni in Deutschland rund 5.100 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Der Gebührenfunk meldet die Zahl im Indikativ: so viele Menschen seien gestorben.

Der Haken steckt im Wort „Berechnungen“. Gemeint sind nicht Todesfälle mit der ärztlich festgestellten Ursache Hitze, sondern eine statistische Schätzung der Übersterblichkeit. Ein Modell vergleicht die tatsächlichen Sterbezahlen mit dem Wert, der in einer Woche ohne Hitze zu erwarten wäre, und schreibt die Differenz der Hitze zu. Das Verfahren ist etabliert und seriös, aber es liefert eine Näherung mit Unsicherheitsspanne, keine Auszählung.

Dass Hitze Menschen das Leben kostet, ist unstrittig, und das soll hier nicht kleingeredet werden. Nur verschwindet die Unschärfe, sobald die runde Zahl in der Schlagzeile steht. Aus „schätzungsweise“ wird „sind“, aus einem Modell eine Bilanz, aus einer Spanne eine einzige feste Ziffer. Dasselbe Muster war schon bei den rund 2.000 französischen Hitzetoten zu sehen, deren Drei-Wochen-Vorbehalt der Behörde der ÖRR wegließ.

Der Test: Widerspräche eine Modellzahl der eigenen Alarm-Linie, stünde das Wort „Schätzung“ fett davor. Wo sie sie stützt, wird sie zur Tatsache befördert. Wer die Näherung präsentiert wie eine Auszählung, tauscht Genauigkeit gegen Wucht.

Aus der Redaktion Eine Schätzung ist keine schwächere Nachricht, sie ist eine ehrlichere. Man muss nur dazusagen, dass sie eine ist, samt Spanne und Methode. Der Gebührenfunk rundet die Unsicherheit lieber weg, weil die feste Zahl in der Zeile besser wirkt.
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