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Klima

Was keiner messen will

Dass PFAS, die sogenannten Ewigkeitschemikalien, gesundheitlich heikel sind, bestreitet niemand, und das soll hier auch nicht kleingeredet werden. Die Bandbreite der beschriebenen Folgen reicht laut Fachleuten von Krebsarten bis zu Wirkungen auf Immunsystem und Hormonhaushalt. Umso bemerkenswerter ist die Zahl, die der ÖRR fast beiläufig meldet: In ganz Österreich sind genau zwei PFAS-Altlasten offiziell erfasst und priorisiert.

Es sind der Flughafen Salzburg und das Feuerwehrareal Lebring in der Steiermark, beide seit 2022 bekannt, beide mit der höchsten Gefährdungseinstufung. Ein dritter Verdachtsfall, der niederösterreichische Ort Mannswörth mit dem Verursacher OMV, wartet seit dem Frühjahr auf Priorisierung. Fachleute wie der Umweltwissenschaftler Thilo Hofmann von der Uni Wien halten die tatsächliche Zahl für weit höher, von vielen Hunderten bis zu einer vierstelligen Zahl an Standorten ist die Rede, überall dort, wo Löschschaum im Einsatz war.

Der Vergleich, den der Bericht selbst liefert, entlarvt das Versäumnis. Allein der Schweizer Kanton Wallis mit 374.000 Einwohnern hat 187 belastete Standorte lokalisiert und rechnet mit rund 1,1 Milliarden Euro Sanierungskosten bis 2045, nach dem Verursacherprinzip. Österreich ist etwa sechzehnmal so groß wie das Wallis und kommt auf zwei Einträge. Nicht, weil es sauberer wäre, sondern weil kaum getestet wird.

Der Rechnungshof mahnte Ende März mehr Tempo an, das Umweltministerium gab im Mai an, keine zusätzliche Beschleunigung bei PFAS zu planen. Und wo gemessen wird, bleiben Daten unter Verschluss. Dass Messwerte eines öffentlichen Guts wie des Grundwassers geheim gehalten werden, nennt der Wissenschaftler einen „unerträglichen Zustand". Das ist keine bloße Datenlücke, das ist eine Entscheidung, nicht hinzuschauen.

Aus der Redaktion Die Chemie ist real, die Sorge berechtigt, so weit sind wir uns mit dem ÖRR einig. Der Unterschied liegt in der Verantwortung. „Kaum erfasst" klingt nach Schicksal, gemeint ist ein Ministerium, das nicht beschleunigt, und Behörden, die Werte zurückhalten. Wer beim Verbraucher Alarm schlägt und beim Staat von Datenlücken spricht, gewichtet ungleich.
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