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Ausland

Lampedusa statt 250-Jahr-Feier

Papst Leo XIV., der erste US-Amerikaner im Amt, besucht am US-Nationalfeiertag die „Flüchtlingsinsel“ Lampedusa. Der ÖRR inszeniert die Migrations-Symbolik, die brisantere Zeile bleibt klein.

Am Samstag reist Papst Leo XIV. auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Erste Station ist der Friedhof, wo er an Migrantengräbern Blumen niederlegt und eine seinem Vorgänger Franziskus gewidmete Gedenktafel segnet. Danach feiert er eine Messe auf dem Sportplatz der rund 20 Quadratkilometer kleinen Insel und trifft Helfer und Behördenvertreter. Ein Besuch im „Hotspot“, dem Erstaufnahmelager, ist nicht vorgesehen.

Der ÖRR trägt die Bebilderung mit, wie sie angeboten wird: „Flüchtlingsinsel“, „Tor Europas“, Kränze, Gedenktafel. Dass die Ankunftszahlen zuletzt deutlich gesunken sind, steht als Nebensatz da, die Symbolik trägt die Meldung. Es ist die Fortsetzung eines Musters, das schon Franziskus 2013 mit seiner ersten Reise nach Lampedusa gesetzt hat, und der ÖRR liefert die andächtige Tonspur zuverlässig mit.

Die eigentlich pikante Zeile bleibt klein: Für diesen Termin soll Leo XIV. laut einem Bericht eine Einladung zur 250-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten abgesagt haben, die am selben 4. Juli stattfindet. Der erste US-Papst meidet den Geburtstag seines Heimatlandes und wählt das Bild an der Migrationsroute. Aus einer so aufgeladenen Entscheidung ließe sich eine große Geschichte machen. Der ÖRR macht daraus eine fromme Randnotiz.

Aus der Redaktion Ein Papst darf reisen, wohin er will, und Mitgefühl für Ertrunkene ist kein Skandal. Auffällig ist nur, was der ÖRR groß macht und was klein: Die Migrations-Symbolik bekommt die Andacht, die Absage an den Nationalfeiertag des eigenen Herkunftslandes verschwindet im Konjunktiv. Auswahl ist auch beim Papstbesuch die halbe Botschaft.
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