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Propaganda? Immer nur woanders

In Ungarn hat der öffentlich-rechtliche Sender M1 seinen Betrieb über Stunden unterbrochen und eine Entschuldigung gesendet. Der deutsche und österreichische Gebührenfunk berichten sichtlich zufrieden: endlich das Ende der Propagandasendungen, ein Sprachrohr der Regierung habe sich für seine Lügen entschuldigt.

Die Wortwahl ist bemerkenswert. Propaganda, Lügen, Sprachrohr der Regierung, das sind harte Etiketten, und der Gebührenfunk vergibt sie mühelos, solange sie ein anderes öffentlich-rechtliches Haus treffen, im richtigen Land, unter der richtigen Regierung.

Interessant wäre die Gegenprobe. Ein zwangsfinanzierter Sender, der über Jahre eine politische Richtung bevorzugt, Gegenstimmen kleinhält und Haltung als Nachricht verkauft: Nach welcher Definition ist das etwas grundlegend anderes? Die Frage stellt der Gebührenfunk nicht, weil die Antwort zu nah läge.

Man kann Ungarns Staatsmedien zu Recht kritisieren. Nur wird die Kritik unglaubwürdig, wenn dasselbe Haus, das sie ausspricht, den Spiegel konsequent von sich weghält.

Aus der Redaktion Wer anderen Propaganda vorwirft, sollte den Begriff aushalten, wenn er zurückkommt. Der ungarische Fall wäre eine Steilvorlage zur Selbstprüfung. Genutzt wird er nicht, genutzt wird er zur Abgrenzung.
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