„Da häng' ich dann eben“ — und die feierlichste Stimme ist nicht die Kanzlerin
Angela Merkel hat ihr offizielles Porträt. Im Berliner Bode-Museum enthüllte der deutsch-französische Maler Jeremie Queyras das Gemälde, das seinen Platz in der Ahnengalerie des Kanzleramts finden soll, wo die Bilder aller deutschen Bundeskanzler hängen. Großer Applaus, ein Tuch, das fällt, ein Ritual mit langer Tradition — und die Berichterstattung nimmt den feierlichen Ton dankbar auf.
Das Wort „Ahnengalerie" tut dabei die halbe Arbeit. Es macht aus einer Bilderwand im Amtsgebäude eine Art weltlichen Heiligenkalender, in den nun die Nächste aufgenommen wird. Nichts daran ist falsch; die Galerie gibt es, die Tradition auch. Es ist nur bemerkenswert, wie leicht die Sprache ins Andächtige kippt, sobald eine langjährige Regierungschefin „langsam Geschichte wird".
Der Satz ist übrigens von Merkel selbst. „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird", sagte die 71-Jährige der Wochenzeitung „Die Zeit", und trocken hinterher: „Da häng' ich dann eben." Das ist die nüchternste Bemerkung im ganzen Vorgang — und sie kommt von der Person, um deren Verewigung es geht, nicht von denen, die darüber berichten. Wenn die Geehrte selbst am wenigsten Pathos aufbringt, sagt das etwas über die Verteilung des Pathos.
Ein Detail am Rande, das die Feierlichkeit fast wieder erdet: Der Maler ist 28, hatte sich 2022 informell bei Merkel beworben und wurde 2025 ausgewählt; sie stand monatelang Modell. Ein junger Künstler, eine geduldige Auftraggeberin, ein Handwerk, das Zeit braucht. Das ist die eigentliche kleine Geschichte hinter dem großen Wort — und sie kommt ohne Weihrauch aus.
Quelle: orf.at/stories/3434915 (D: Offizielles Porträt von Ex-Kanzlerin Merkel präsentiert, news.ÖRR.at, 1. 7. 2026); Zitate laut „Die Zeit" lt. derselben Meldung
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