Der Maulwurf war er selbst
Dem früheren Linzer Bürgermeister Klaus Luger wird wegen Untreue der Prozess gemacht. Eine Diversion hatte das OLG gekippt.
Klaus Luger (SPÖ), bis 2024 Bürgermeister von Linz, steht wegen Untreue am Landesgericht Linz vor Gericht. Anlass ist die Brucknerhaus-Affäre. Angesetzt sind drei Stunden, bei einer Verurteilung drohen dem 65-Jährigen bis zu drei Jahre Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Vorwurf laut Anklage: Luger spielte 2017 seinem Wunschkandidaten vorab die Fragen der Hearingkommission für die Brucknerhaus-Intendanz zu. Als das durchsickerte, gab er ein Rechtsgutachten in Auftrag, obwohl er selbst die undichte Stelle war. Der Schaden wird mit exakt 19.061,15 Euro beziffert. Eine bereits vorgesehene Diversion kippte das Oberlandesgericht im April und sprach von „besonderen Charakterdefiziten“.
Bemerkenswert ist, wie nah die Sache an einer leisen Erledigung war. Für rund 20.000 Euro und ohne Schuldspruch wäre der Fall fast als Diversion abgehakt worden, wie kurz zuvor auch beim ÖVP-Politiker August Wöginger, ehe das OLG beide Male Nein sagte. Über den Mechanismus, der Prominente beinahe am Prozess vorbeiführt, berichtet der ÖRR sachlich, hinterfragt ihn aber selten.