Attest ab Tag eins
Die Koalition plant, dass Arbeitnehmer künftig schon ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen müssen, bisher galt das ab dem vierten. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Begründet wird das mit „exorbitant gestiegenen Krankenständen“.
Der Gebührenfunk sortiert das gern in die große „bunte Tüte Süßes und Saures“ der Reformpläne ein, eine Formulierung, die alles gleich macht und nichts benennt. Dabei ist die Richtung eindeutig: eine Belastung der Beschäftigten, ausgelegt als Kampf gegen Blaumacher.
Die Kritik kommt breit und wird meist kleingehalten: Verdi spricht von „Misstrauen gegen Beschäftigte“, die IG Metall von einer „unsozialen Wunschliste“ für die Arbeitgeber, der Hausärzteverband nennt die Pläne mit Blick auf die Bürokratie „absolut katastrophal“. Wer mit leichtem Infekt zum Arzt muss, wird am Ende oft länger krankgeschrieben, nicht kürzer.
So wird aus einer Maßnahme gegen die Beschäftigten eine „Modernisierung des Arbeitsmarkts“. Zahlen werden es die Kranken, die künftig auch mit Schnupfen ins volle Wartezimmer müssen, und die Praxen, die den Papierkram schultern.