Istanbul: Beim Sender hat die Pride-Parade verlässlich eine Perspektive
Die türkische Polizei nahm bei der Istanbuler Pride-Parade mindestens 50 Menschen fest, darunter laut Organisatoren die Journalistin Müberra Ünsal, die sich mehrfach ausgewiesen habe. Die Parade fand trotz Verbots statt; der Taksim-Platz war mit Eisenzäunen abgeriegelt, auch Kadiköy gesperrt. Die Istanbuler Anwaltskammer entrollte ein Transparent: „LGBT ist ein Menschenrecht“. Das sind harte Fakten, und sie sind kritikwürdig — ein Versammlungsverbot und eine festgenommene Journalistin gehören benannt.
Der Sender benennt sie auch, und zwar mit klarer Schlagseite: Repression hier, Erdogan, der die LGBTQ-Gemeinschaft „an den Pranger“ stellt und für den Geburtenrückgang verantwortlich macht, dort. Seit 2015 werde die Parade „systematisch verboten und unterdrückt“; am Vortag sei eine Schwulenbar geschlossen worden. Die Erzählung ist sauber gebaut und läuft in eine Richtung.
Das fällt vor allem im Zusammenhang auf. Bei der Budapester Parade derselben Tage feierte der Sender „Zehntausende“, die „Versammlungsfreiheit feiern“, und ließ das von Ungarns Regierung als Kinder- und Jugendschutz deklarierte Gesetz wortlos zum „Anti-LGBTQ-Gesetz“ werden. In Istanbul ist es dasselbe Muster mit umgekehrtem Staat: Die Perspektive der Parade ist die Perspektive des Beitrags, und die Gegenseite — was die türkische Regierung sich dabei denkt — kommt nur als Vorwurf vor, nicht als Position.
Quelle: orf.at/stories/3434665 (50 Festnahmen bei Pride-Parade in Istanbul, ÖRR.at/Agenturen, 28. 6. 2026) · Angaben zu Festnahmen, Verbot und Zitaten laut derselben Meldung
← Zurück zur Startseite