Prinzipien mit Ablaufdatum
Das Internationale Olympische Komitee hat die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees vorläufig aufgehoben. Die FIFA nimmt die Entscheidung „zur Kenntnis“, im Fußball werden die Stimmen nach einer Rückkehr russischer Teams lauter. Vorneweg FIFA-Präsident Gianni Infantino, der schon im Februar sagte: „Je schneller alle bei einer Weltmeisterschaft dabei sind, umso besser.“ Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine läuft unterdessen unvermindert weiter.
Es lohnt der Blick darauf, worauf sich die Sperre von 2022 eigentlich stützte. Nicht auf die militärische Aggression, sondern auf „Sicherheitsgründe“, die Wahrung der „Integrität des Wettbewerbs“ und den „reibungslosen Ablauf der Spiele“. Ein Prinzip, das man leicht wieder zurücknehmen kann, wenn der reibungslose Ablauf es erlaubt.
Auf der Funktionärsebene war Russland ohnehin nie draußen. Verbandschef Alexander Djukow, ein Gazprom-Manager mit Draht zu Wladimir Putin, saß bis April 2025 im mächtigen UEFA-Exekutivkomitee, in den unteren Gremien sind russische Offizielle weiter vertreten. Die üblichen Millionenzahlungen flossen die ganze Zeit nach Moskau. Und Infantino trägt bis heute den „Orden der Freundschaft“, den ihm Putin 2019 für die WM 2018 verlieh, ausgetragen trotz der Annexion der Krim.
Gesperrt war also vor allem das Sichtbare: die Mannschaften, die Fahne, die Hymne. Das Netzwerk, das Geld und die Nähe blieben. Wer jetzt die Rückkehr betreibt, hebt nicht ein moralisches Verbot auf, sondern beendet eine Vorstellung.