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Zum Grübeln

Medien ohne Korrektiv

Eine ÖRR-Rezension zeigt, wie Massenmedien den Hexenwahn befeuerten. Der Mechanismus wirkt vertraut.

In der Religionsredaktion des ÖRR bespricht eine Rezension das Buch „Hexen vor Gericht“ des Historikers Kai Lehmann. Kernbefund: Ab etwa 1580 machten Druckerpresse und Flugblätter aus lokalen Verdächtigungen eine europaweite Welle. Sensationsberichte „auf Boulevardniveau“ schürten die Angst und forderten neue Hexenjagden, bis hin zu einem „Hinrichtungstourismus“.

Entscheidend ist ein Satz Lehmanns, den die Rezension zitiert: Ein „mediales Korrektiv“ habe weitgehend gefehlt, die Gegner der Verfolgung erreichten nur eine gelehrte Minderheit. „Die Massenmedien konnten folglich ihre Botschaft ideologisch konkurrenzlos unters Volk bringen.“

Der Text meint die Frühe Neuzeit und lädt selbst zur Gegenwart ein: wie nah man auch heute „ungerechter Verurteilungen“ und „vorschneller Urteile“ komme. Wer über eine Medienlandschaft nachdenkt, in der eine Deutung ohne ernsthaften Widerspruch verbreitet wird, muss den Bogen nicht selbst spannen. Die Rezension hat ihn gespannt.

Aus der Redaktion Es ist bezeichnend, wo dieser Gedanke steht: im Buchteil des ÖRR, über Ereignisse von vor 450 Jahren. Näher ans eigene Haus traut sich die Betrachtung nicht.
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