Die Statistik, die keiner zeigt
Die Kriminalstatistik des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) erfasst für Deutschland im vergangenen Jahr rund 751 Gruppenvergewaltigungen. Bei etwa 72 Prozent der Tatverdächtigen handelt es sich laut den Zahlen um Personen, die der Polizei bereits zuvor bekannt waren. Es sind Tatverdächtige, nicht Verurteilte; die Unschuldsvermutung gilt.
Bemerkenswert ist, wie diese Aufschlüsselung im Gebührenfunk vorkommt, nämlich kaum. Die Gesamtzahl der Sexualdelikte wird gemeldet, gern mit dem Hinweis, eine gestiegene Anzeigebereitschaft erkläre den Anstieg. Die harte Teilmenge, Gruppentaten und Wiederholungstäter, bleibt im Kleingedruckten.
Dabei ist genau das die Information mit Gewicht. Wenn ein großer Teil der Tatverdächtigen polizeibekannt ist, stellt das Fragen an Justiz, Haft und Rückfall, an alles, was zwischen Anzeige und Wiederholung offenbar fehlt. Diese Fragen sind unbequem, deshalb bleiben sie ungestellt.
Statistik ist kein Meinungsartikel. Aber die Auswahl dessen, was gemeldet und was weggelassen wird, ist eine. Wer die entlastende Rahmung liefert und die belastende Ziffer verschweigt, betreibt keine Neutralität, sondern Vorsortierung.