Was ist da nicht tragbar?
„Auf Dauer nicht tragbar“ steht in der Überschrift, und der Leser soll verstehen: die Grenzkontrollen. Liest man den Bericht des Polizeibeauftragten Uli Grötsch, meint der Satz etwas anderes. Er beschreibt die Belastung der eingesetzten Beamten: hohe Überstunden, kurzfristig geänderte Dienstpläne, keine ausreichende Erholung. Nicht die Kontrolle ist das Problem, sondern der Zustand der Kontrolleure.
Grötsch selbst stellt bei der Pressekonferenz klar, er sei „nicht zwingend der Meinung, dass man die Grenzkontrollen komplett einstellen sollte“. Genau dieser Satz taucht in der zugespitzten Zeile nicht auf. Aus einer Personal- und Rechtssicherheitsfrage wird so ein Zweifel an der Maßnahme.
Dazu gereiht werden Gerichte, die einzelne Kontrollen für rechtswidrig erklärt haben, und die EU-Kommission, die inzwischen für einen Rückbau plädiert. Was kleiner steht: Innenminister Dobrindt nennt die Kontrollen „hochwirksam“ und verweist auf vollstreckte Haftbefehle, Zurückweisungen und festgenommene Schleuser. Die Gegenposition ist da, sie steht nur nicht in der Überschrift.
So entsteht aus einem Befund über überlastete Polizisten eine Schlagzeile gegen den Grenzschutz. Wer beides zusammenzieht, verkauft eine Arbeitszeitfrage als politisches Urteil.