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Kurzartikel

Flugscham gilt nur für Bürger

KI-Satire: Eine Flugbegleiterin serviert Champagner in der leeren Luxuskabine eines deutschen Regierungsflugzeugs
KI-Satire: RealFunk.

785 Flüge ohne politische Passagiere, 7.923 Tonnen CO₂: Die Regierung nennt das Bereitstellung. Beim Bürger hieße es Klimasünde.

Der Bürger soll seinen CO₂-Fußabdruck verkleinern. Die Bundesregierung lässt derweil Flugzeuge ohne ihre politischen Passagiere durch Deutschland fliegen.

785 sogenannte Bereitstellungsflüge absolvierte die Flugbereitschaft im Jahr 2023. Dabei entstanden nach Angaben der Bundesregierung 7.923 Tonnen CO₂.

Der Grund für die Leerflüge ist kein Geheimnis. Die Flugbereitschaft ist in Köln/Bonn stationiert. Kanzler, Minister und Staatssekretäre beginnen oder beenden ihre Reisen aber häufig in Berlin. Das Flugzeug muss deshalb leer dorthin fliegen, wo die Regierung einsteigen möchte. Nach der Rückkehr muss es häufig wieder leer nach Köln.

Aus einem Regierungsflug werden so bis zu drei Flüge: leer hin, mit Politikern zum Ziel, leer zurück.

Offiziell heißen die Leerflüge „Bereitstellungsflüge“. Die Bundesregierung behauptet außerdem, sie würden vollständig für die Aus- und Weiterbildung der Besatzungen genutzt. Ob diese Trainingsflüge auch ohne die Regierungsreisen stattgefunden hätten, geht aus ihrer Antwort nicht hervor.

Fest steht: Die Flugzeuge transportierten auf diesen Strecken keine politischen Passagiere. Fest steht auch: Sie verursachten dabei 7.923 Tonnen CO₂.

Die Wortwahl erledigt den Rest. Beim Bürger wird Fliegen zum Gegenstand einer Klimadebatte. Er zahlt Luftverkehrsteuer, CO₂-Aufschläge und steigende Ticketpreise. Ihm werden Bahnreisen, Verzicht und ein klimafreundlicher Lebensstil nahegelegt.

Fliegt eine Regierungsmaschine leer von Köln nach Berlin, wird aus dem CO₂-Ausstoß eine organisatorische Notwendigkeit mit angeblichem Trainingsnutzen.

Das Problem besteht seit Jahren. Schon im ersten Halbjahr 2022 zählte die Flugbereitschaft allein auf der Strecke zwischen Köln und Berlin 242 Bereitstellungsflüge. Trotzdem blieb die Konstruktion bestehen: Die Regierung arbeitet in Berlin, ihre Flugzeuge wohnen in Köln.

Der Staat betreibt damit eine Struktur weiter, die regelmäßig zusätzliche Flüge erzeugt. Gleichzeitig erklärt er seinen Bürgern, dass Klimaschutz beim persönlichen Verhalten beginnt.

7.923 Tonnen CO₂ werden zur Verwaltungsfrage, solange der Absender Bundesregierung heißt. Dann ist der Ausstoß militärische Weiterbildung, logistische Bereitstellung und leider unvermeidbar.

Flugscham beginnt offenbar erst hinter der Absperrung des Regierungsterminals.

Ein leeres Flugzeug wird nicht klimafreundlicher, weil die Regierung den Flug „Bereitstellung“ nennt. Der Bürger soll sein Verhalten ändern. Der Staat ändert lieber die Bezeichnung.

Quellen: Antwort der Bundesregierung; Tagesschau

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