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Deutschland

Fast die Hälfte ohne deutschen Pass

Ein dunkler Gefaengnis-Zellentrakt mit langen Reihen vergitterter Zellentueren, die sich im kalten Licht in die Dunkelheit verlieren

Die Neue Osnabrücker Zeitung hat bei allen sechzehn Justizministerien nachgefragt. Das Ergebnis: 44,8 Prozent aller Inhaftierten in Deutschland haben keinen deutschen Pass. Stichtag März, gut 27.000 von 60.408. In fünf Ländern liegt der Anteil über der Hälfte, in Berlin bei 58,9, in Hamburg bei knapp 58 Prozent.

Die Zahl schließt die Untersuchungshaft ein, wo der Ausländeranteil naturgemäß höher liegt. Rechnet man sie heraus, bleibt die reine Quote der Strafgefangenen niedriger, zuletzt um 37 Prozent. Und gezählt wird der Pass, nicht die Herkunft. Beides gehört gesagt, weil die Zahl sonst mehr behauptet, als sie trägt.

Auch bereinigt bleibt sie hoch, und sie steigt. 2015 lag der Wert nach Angaben der Zeitung bei gut 30 Prozent. In zehn Jahren also um die Hälfte gewachsen.

Interessant ist, worüber gesprochen wird, wenn er steigt. Der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, René Müller, nennt Sprachbarrieren und warnt, seine Kollegen kämen mit der Resozialisierung kaum noch durch. Es brauche mehr Personal. Immer geht es um die Kapazität der Anstalt. Nie um die Politik, die sie füllt.

Die Debatte dreht sich um die Zellentür. Nicht darum, wer davor steht.

Mehr dazu: Der tägliche Einzelfall

Aus der Redaktion Eine Zahl, die zehn Jahre klettert, ist irgendwann kein Ausreißer mehr, sondern eine Bilanz.
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