Bei Farage schaut der ÖRR hin
Gegen einen aufstrebenden Politiker von rechts stehen neue Vorwürfe im Raum. Bewiesen ist nichts, geprüft wird noch, doch der öffentlich-rechtliche Betrieb hat die Einordnung schon parat.
Der ÖRR berichtet, gegen Nigel Farage, Chef der in Umfragen führenden Partei Reform UK, gebe es neue Vorwürfe wegen nicht offengelegter Zuwendungen. Laut einem Bericht habe ein in den USA wegen Betrugs verurteilter Unternehmer vor Farages Rückkehr in die Spitzenpolitik dessen Sicherheit und Mitarbeiter bezahlt; ein Abgeordneter der Liberaldemokraten fordert eine Untersuchung durch den Ethikbeauftragten. Separat werde eine nicht gemeldete Zahlung von fünf Millionen Pfund geprüft. Farage und seine Partei sprechen von persönlichen Geschenken für die Sicherheit.
Schon im ersten Satz steht „rechtspopulistisch“, am Ende „Rechtsaußenpartei“. Die Meldung besteht aus Vorwürfen, der Forderung eines politischen Gegners und laufenden Prüfungen. Ein Urteil gibt es nicht, ein Etikett schon.
Transparenzregeln für Abgeordnete sind richtig, und wer sie verletzt, gehört geprüft, gleich welcher Partei. Auffällig ist nur der Eifer. Bei einem aufstrebenden Rivalen von rechts wird der unbewiesene Verdacht zur prominenten Meldung samt Parteietikett, während dieselbe Sorgfalt bei anderen oft fehlt. Die Unschuldsvermutung gilt, sie steht hier nur leiser als der Vorwurf.
Reform UK liegt in den Umfragen vorn, und genau in diesem Moment häufen sich die Zuschreibungen. Das mag Zufall sein. Aber ein Medium, das jeden Verdacht gegen den einen so gründlich referiert wie den gegen den anderen, sähe anders aus als eines, das die Richtung schon im ersten Adjektiv verrät.