74 Prozent Liebe — und trotzdem laufen sie in Scharen weg
Die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft ist „auf einem Allzeithoch“. So verkündet es der öffentlich-rechtliche Betrieb, gestützt auf eine frische Eurobarometer-Umfrage: 74 Prozent der EU-weit Befragten hielten die Mitgliedschaft für vorteilhaft, in Österreich 62 Prozent, drei Viertel sähen die Union als „Ort der Stabilität in einer unsicheren Welt“.
Nur: Wenn 74 Prozent diese EU so wunderbar finden — warum wählen dann bei jeder Wahl mehr Menschen genau die Parteien, die sie ablehnen? FPÖ, AfD und andere liegen nicht am Rand, sondern vorne. Millionen Bürger, die die Migrations-, Energie- und Außenpolitik der Union für einen Irrweg halten, tauchen in keiner dieser Umfragen auf. Entweder befragt Brüssel ein anderes Europa als jenes, das an die Wahlurnen geht — oder die Zahl misst etwas anderes als das, was sie behauptet.
Beides wäre eine Nachricht. Der Gebührenjournalismus meldet stattdessen brav das Ergebnis und stellt keine einzige Frage, die man im ersten Semester Statistik stellen müsste: Wer wurde wann, wo und wie befragt? Wie waren die Fragen formuliert, wie groß die Stichprobe? Nichts davon steht da. Es steht nur das Resultat — und das Resultat gefällt dem Auftraggeber, dem Europäischen Parlament, dessen eigene Beliebtheit hier gemessen wird.
Eine Institution bestellt eine Umfrage über sich selbst, das Ergebnis fällt schmeichelhaft aus, und die angeblich freie Presse reicht es ungeprüft weiter. Das ist nicht der Job einer unabhängigen Redaktion. Das ist der Job einer Marketingabteilung. Der Unterschied kostet in Österreich Rundfunkgebühr.
Quelle: orf.at/stories/3434904 (Zustimmung zu EU-Mitgliedschaft auf Allzeithoch, news.ÖRR.at, 1. 7. 2026) · Zahlen laut derselben Meldung (Eurobarometer im Auftrag des EU-Parlaments)
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