Revolver als Gastgeschenk
Ein Gipfel, der um Abschreckung kreist, und der Gastgeber verschenkt Waffen. Beim NATO-Treffen in Ankara bedankt sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei den hochrangigen Gästen mit einem Revolver, dazu je sechs Patronen. Mehrere Staats- und Regierungschefs wissen sichtlich nicht, wohin damit.
Das eigentliche Problem beginnt nach der Übergabe. In vielen Ländern gelten strenge Regeln für Geschenke an Amtsträger: melden, bewerten, ab einem bestimmten Wert abgeben oder ins Staatseigentum überführen. Eine Schusswaffe macht es besonders heikel, weil ihre Einfuhr eigenen Waffengesetzen unterliegt. Aus dem Gastgeschenk wird ein Fall fürs Protokoll.
Man kann darin eine Provokation sehen oder eine sehr eigene Form der Gastfreundschaft, die Türkei ist stolz auf ihre Rüstungsindustrie. Sicher ist nur: Als diplomatisches Signal ausgerechnet auf einem Gipfel über Krieg und Aufrüstung ist ein Revolver eine Ansage, die keiner Pressekonferenz bedarf.
Der Rest ist Kopfschütteln und Formularkram. Manchmal ist das Fundstück des Tages ein Gipfel, der sich mit einem einzigen Gastgeschenk selbst kommentiert.