144 Vorfälle, null Bestätigung
Eine britische Denkfabrik zählt 144 Drohnen-Vorfälle über NATO-Staaten. Bestätigt hat sie keine westliche Regierung. Der Staatsfunk macht daraus trotzdem eine gesicherte Schlagzeile.
Laut einer Analyse des International Institute for Strategic Studies (IISS) hat Russland über eineinhalb Jahre ein Dutzend NATO-Staaten mit Drohnen überzogen: 144 Vorfälle in 13 Ländern zwischen August 2024 und Februar 2026, gestartet von Tankern der russischen „Schattenflotte“ und von Frachtern in Küstennähe. Zweck sei Spionage und ein Test der NATO-Reaktionsfähigkeit gewesen, die europäische Flugabwehr zeige deutliche Schwächen.
Die ÖRR-Schlagzeile lautet „Russische Drohnen spionierten in Europa“, im Indikativ, als gesicherte Tatsache. Der entscheidende Vorbehalt steht erst im Text: „Offiziell bestätigt habe das bisher aber keine westliche Regierung.“ Und selbst die Studienautoren räumen ein, dass „nicht jeder einzelne Vorfall von Moskau ausgegangen sein dürfte“.
Dass Drohnen über Europa auftauchen, ist vielfach dokumentiert und ein reales Problem, darum geht es nicht. Es geht um den Modus: Eine unbestätigte Einschätzung einer Denkfabrik wird zur Nachricht im Indikativ, der Konjunktiv steht klein darunter. Passt eine Meldung ins gewünschte Bild, wird aus „dürfte“ schnell „ist“.