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Die Grauzone geschrammt

Leere Studiobuehne mit Fluegel und zwei Mikrofonen unter erloschenen Scheinwerfern, rechts baut ein Kameramann seine Kamera ab, davor leere Sitzreihen

Für die hundertste Ausgabe der „Anstalt“, Thema: politische Radikalisierung und die Wehrhaftigkeit der Demokratie, buchte das ZDF den Rapper Danger Dan und den Pianisten Igor Levit. Gespielt werden sollte das neue Lied „Keine Angst“. Seit der Nacht zum Freitag ist es veröffentlicht, jeder kann nachhören.

Darin: schon heute „Stress mit der Polizei und den ganz besonders Deutschen“ suchen. „Die sehen gefährlich aus, aber wir legen sie lang.“ „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“ Am Ende Grüße an „Lina, Gucci, Maja und Nanuk“, die Beschuldigten und zum Teil Verurteilten des Antifa-Ost-Verfahrens, bekannt als Hammerbande. Die Berliner Zeitung nennt das Lied in eigener Stimme „eine Art Anleitung“.

Nach Angaben des Künstlers lag der Text dem Sender seit Wochen vor. Gestört hat er dort niemanden. Erst kurz vor der Aufzeichnung griff die Geschäftsleitung ein und strich den Auftritt: Der Text könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden.

Die Entscheidung war richtig. Die Fragen beginnen davor. Wer bucht für eine Sendung über Radikalisierung einen Künstler, dessen aktuelles Lied verurteilten Gewalttätern Grüße bestellt? Wer liest wochenlang mit und findet nichts? Und warum muss am Ende die Geschäftsleitung erledigen, was jeder Redakteur beim ersten Hören hätte erledigen können?

Danger Dan nennt die Absage „autoritär“, „skandalös“, einen „Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit“. Im Lied singt er selbst: „Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt.“ Der Kronzeuge gegen diese Empörung ist sein eigener Refrain.

Ganz ohne Bühne bleibt das Lied übrigens nicht. Das ZDF will sich „zeitnah dokumentarisch-journalistisch“ damit befassen. Sendezeit gibt es also doch. Nur kuratiert.

Mehr dazu: Haltung auf Gebührenkosten.

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