Die bezahlte Sorge
Eine Partei stellt ihr Regierungsprogramm vor. Die Meldung darüber handelt von den Leuten, die dagegen sind. Schon in der Überschrift.
„Was Sachsen-Anhalts AfD plant und wem das Sorge bereitet“, titelte das ZDF am 11. Juli. Im Vorspann: „Die radikalen Pläne würden das Land verändern und stoßen schon jetzt auf heftigen Widerspruch.“ Der erste Satz des Textes handelt nicht vom Programm, sondern davon, dass die Umfragewerte „viele Migranten verunsichern“.
Das Programm selbst kommt danach. Auf dem Landesparteitag in Magdeburg stellte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor 243 Delegierten ein Zehn-Punkte-Programm für die ersten hundert Tage vor. Darunter eine Landeskampagne unter dem Motto #deutschdenken und das Hissen von Deutschlandflaggen anstelle von Regenbogenflaggen. Siegmund wörtlich: „Für jede Regenbogenflagge, die diese Landesregierung aufgehängt hat, hissen wir später zehn Deutschlandflaggen.“
Gewählt wird am 6. September. Die AfD steht in Sachsen-Anhalt bei 41 Prozent, die CDU bei 26. Das ist keine Randgruppe, deren Programm man in einem Nebensatz abhandeln kann. Das ist die wahrscheinliche Regierung eines Bundeslandes.
Und hier ist der Punkt. Ein Sender, der 18,36 Euro im Monat aus jedem Haushalt bekommt, hat einen Auftrag, und der lautet nicht: Wir sagen Ihnen, was Sie davon zu halten haben. Er lautet: Wir sagen Ihnen, was ist. Die Sorge in dieser Überschrift ist keine Nachricht. Sie ist eine Wertung, sie steht vor der Information, und sie wird von genau den Leuten bezahlt, die 41 Prozent ausmachen.