Nachrichten ohne ÖRR-Filter
Die Nachrichten, bevor sie durch den Filter gehen.
ÖRR-zensiert

Der Faktencheck, der kapituliert

Ein gebührenfinanzierter Sender will eine Aussage über Kriminalität widerlegen, greift zur falschen Kennzahl und gibt im nächsten Satz selbst zu, dass die Aussage zutrifft. Ein Faktencheck, der sich selbst prüft und durchfällt.

In einer Reportage des Bayerischen Rundfunks über die AfD und den Fußball zeigte der Sender eine Aussage des Bundestagsabgeordneten Martin Hess. Hess sagte, syrische und afghanische Frauen seien im Bereich der Gewaltkriminalität stärker belastet als deutsche Männer. Der Sender hielt dagegen, die absolute Zahl der Gewalttaten deutscher Männer sei „viel höher“. Das ist richtig und geht an der Aussage vorbei, denn Hess sprach nicht von absoluten Fallzahlen, sondern von der Belastung im Verhältnis zur Größe der jeweiligen Gruppe.

Das räumt der Beitrag unmittelbar danach selbst ein: Hess beziehe sich „anscheinend“ auf die Tatverdächtigenbelastungszahl, die Straftaten ins Verhältnis zum Bevölkerungsanteil setze. Und diese Kennzahl stützt seine Aussage. In der amtlichen Kriminalstatistik werden afghanische und syrische Frauen bei der Gewaltkriminalität, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, häufiger als tatverdächtig erfasst als deutsche Männer. Wichtig bleibt: Es geht um Tatverdächtige, nicht um Verurteilte, und um eine relative Belastung, nicht um absolute Mengen.

Über Zuwanderung und Kriminalität kann und soll man streiten, und Zahlen gehören eingeordnet, die heiklen zuerst. Aber ein Faktencheck, der eine relative Aussage mit einer absoluten Zahl kontert und dann selbst die richtige Kennzahl nachliefert, ordnet nicht ein, er verschleiert. Die Widerlegung widerlegt am Ende vor allem sich selbst.

Der Sender wollte zeigen, wie ein Politiker mit Zahlen hantiert, und zeigte am Ende, wie er es selbst tut. Nicht die Aussage des Abgeordneten war das Problem des Beitrags, sondern der Versuch, sie mit der falschen Statistik zu erledigen. Solche Selbstkorrekturen im Kleingedruckten bleiben dem Publikum meist verborgen.

Aus der Redaktion Ein Faktencheck lebt davon, dass die Kennzahl zur Aussage passt. Wer relativ und absolut vertauscht, prüft nicht, sondern framt. Ein unabhängiges Medium würde die passende Statistik zeigen, ihre Grenzen offen benennen, Tatverdächtige nicht mit Verurteilten verwechseln und die Wertung dem Zuschauer überlassen.
← Zurück zur Startseite