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ÖRR zensiert

Ein Etikett, nur für eine Seite

Der ÖRR nennt die AfD im selben Atemzug „in Teilen als rechtsextrem eingestuft“ und die Blockierer, die ihren Parteitag verhindern wollen, „antifaschistisch verstehend“. Das Etikett sitzt nur auf einer Seite.

In Erfurt kommt die AfD zu ihrem zweitägigen Bundesparteitag zusammen. Rund um die Veranstaltung blockieren Gegendemonstranten die Stadt: Nach Polizeiangaben sperrten am Morgen einige hundert Menschen eine Teilstrecke der Autobahn A71, mehrere Zufahrten waren dicht, der Nahverkehr kam teilweise zum Erliegen. Mehr als 200 Reisebusse mit Protestteilnehmern trafen ein, in der Stadt gab es mehrere Sitzblockaden, angemeldet waren über 30 Versammlungen. Das Bündnis „Widersetzen“ hat sich zum Ziel gesetzt, den Parteitag durch Blockaden komplett zu verhindern. Die Polizei will das gesetzlich vorgesehene Treffen ermöglichen.

In der Meldung des ÖRR steht die Partei als „die in Teilen als rechtsextreme eingestufte AfD“, das Bündnis, das ihren Parteitag verhindern will, als „sich als antifaschistisch verstehend“. Die eine Seite bekommt die Einstufung angeheftet, die andere darf sich selbst beschreiben. Der Vorgang selbst, das Blockieren eines rechtlich vorgeschriebenen Parteitags, wird sprachlich zur Gesinnung geadelt.

Um die Einstufung geht es hier nicht, die trifft eine Behörde, und sie bleibt, was sie ist. Es geht um die Regie: Eine Partei, die in Umfragen regelmäßig ganz vorne liegt, trägt beim ÖRR das Warnschild dauerhaft mit sich, während jene, die eine Wahlpartei am Tagen hindern wollen, das freundliche Selbstbild geliehen bekommen. Wer die Töne verteilt, verteilt die Sympathie.

Aus der Redaktion Man kann eine Partei einordnen, das ist legitim und Sache der zuständigen Stellen. Man kann aber nicht im selben Satz die einen mit dem Etikett und die anderen mit dem Ehrentitel versehen und das dann Nachricht nennen. Sprache ist beim ÖRR keine Nebensache, sie ist die eigentliche Wertung. Und die fällt hier, bevor der erste Redner das Wort hat.
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